Von den sechs Gaststätten, die es in Brügge einmal gab, ist nur eine geblieben. Stoltenbergs Gasthof gehört – baulich und gesellschaftlich – zum Kern des Dorfes, ist aber stark in die Jahre gekommen. Die blaue Abdeckplane auf dem Dach ist von Weitem zu sehen und auch im Inneren des Gebäudes ist die Liste an Mängeln lang. Eine Sanierung ist zwingendnotwendig, für den Betreiber allerdings nicht zu stemmen. Um den Gasthof zu erhalten, haben Brüggerinnen und Brügger nun einen Verein gegründet: „Unser Dorfkern e.V.“. 48 Mitglieder zählt er inzwischen.
Die Zahl der Kneipen und Gaststätten in Schleswig-Holstein ist seit dem Jahr 2014 im ländlichen Raum um rund 38 Prozent gesunken. Das zeigen Zahlen des Statistikamt Nord. Dörfer verlieren wichtige soziale Treffpunkte und Räume für den Austausch. In Brügge soll das nicht passieren, hoffen die Gasthof-Retter.
Der 1. Vorsitzende ist Torge Britschin, der in Brügge aufgewachsen ist: „Als die Gemeinde Anfang des Jahres aufgrund des schlechten Zustands eine Gefahrenverdachtsanzeige beider Bauaufsicht eingereicht hat, kam ich mit Betreiber Eugen Pinkenburg ins Gespräch und bot ihm an: bevor du den Gasthof anderweitig verkaufst, ruf mich an!“ So kam es und seitdem ist viel passiert. Am vergangenen Mittwoch haben die Dorfkern-Retter ihre Plänevorgestellt – natürlich an dem Ort, den sie kaufen und erhalten möchten.
Die Vereinsmitglieder haben bereits mit einem Architekten und Sachverständigenzusammengesessen. Torge Britschin zeigt den Grundriss, wie er nach dem Umbauaussehen soll. „Der Kegelbahn-Anbau ist nicht zu halten. Der kommt weg, dafür bauen wir einen neuen Sanitär-Trakt“, stellt er vor. Das Restaurant im vorderen Teil des Gasthofs soll erhalten, modernisiert und durch den Verein an den Restaurant-Betreiber verpachtet werden. Den großen Saal möchte der Verein zu einem Ort des gesellschaftlichen Miteinanders machen. „Es soll wieder eine Bühne geben, wie früher. Wir denken an Konzerte und Lesungen, aber auch an Flohmärkte und Spieleabende. Vorschläge sind willkommen“, sagt Vereinsmitglied Dennis Brandau. Auch Dämmung, Belüftung, Elektrik und Schallschutzmüssen auf den neuesten Stand gebracht werden. Im Obergeschoss sehen die Planungen zwei Mietwohnungen vor.
Für Kauf und Sanierung kalkuliert der Verein mit gut 1,8 Millionen Euro. „Wenn alle möglichen Fördergelder bewilligt werden, reden wir von 750 Tausend Euro“, rechnet Torge Britschin vor. Bevor die Fördergelder allerdings beantragt werden können, muss das Ortsentwicklungskonzept der Gemeinde fertig gestellt sein. Viele Fördertöpfe sind daran geknüpft, dass ein solches Konzept vorliegt. Bürgermeister Werner Kärgel hat Verständnis dafür, dass der Verein das OEK so schnell wie möglich haben möchte. Die Gemeinde tue ihr Bestes und habe auch großes Interesse daran, dass es den Gasthof weiterhin gibt und Fördermittel fließen. Dennoch warnt er: „Es ist ein sportliches Ziel, bis Februar durch zu sein. Wir sind auch von anderen Behörden abhängig.“ Dennis Brandau bleibt optimistisch: "Wir werden die Gemeinde bestmöglich unterstützen und hoffen, es gemeinsam zu schaffen. Alternativ müssen wir schauen, was das Land für ein Nachfolgeprogramm erstellt."
Der Verein möchte so viele Mitglieder wie möglich gewinnen. Um einen großen Rückhalt im Dorf zu haben und Mitgliedsbeiträge einzunehmen. „Je mehr Eigenkapital wir haben, desto besser sind unsere Konditionen bei der Bank“, gibt Torge Britschin offen zu. Um Eigenkapital zu sammeln, hat der Verein auch einen Spendenaufruf bei „Wir Wunder“ der Bordesholmer Sparkasse gestartet.
An dem Infoabend gibt es viele Nachfragen und gleichzeitig viel Zustimmung für die Rettungspläne. Die Landjugend Flintbek bietet tatkräftige Unterstützung an und auch örtliche Unternehmen möchten sich einbringen. „Wir hoffen, dass wir in einem Jahr starten können“, sagt Vereinsmitglied Ralf Hübner. Ende 2029, Anfang 2030 soll der Brügger Dorfkern dann wieder vollständig sein. Mit Gasthof.
Informationen zu Aktivitäten und Mitgliedschaft gibt es unter: www.unser-dorfkern-bruegge.de
(Eva Diederich, Öffentlichkeitsarbeit Amt Bordesholm)
